Sekundarstufe I

Nachdem nun über viele Jahre der Wahlunterricht die einzige Form war Theater in der Sekundarstufe I anzubieten, haben sich in den letzten Jahren neue Möglichkeiten ergeben, die es erlauben Theater als reguläres Unterrichtsfach in der Sekundarstufe I anzubieten. Im Zuge der sog. Modusmaßnahmen, der Verbreitung von Ganztagsklassen und der zunehmenden Autonomie der einzelnen Gymnasien bei der Gestaltung der Stundendeputate ist nun auch Theaterunterricht im regulären Stundenkontingent am Gymnasium in der Sekundarstufe I möglich geworden. In der Sekundarstufe I hängt das Angebot und der Status von Theaterunterricht stark vom Stellenwert ab, der ihm in der jeweiligen Schule zugemessen wird.

Infotafel_Sekundarstufe I

TAG setzt sich dafür ein, dass Theater als drittes künstlerisches Fach neben Musik und Kunst in einem Wahlpflichtbereich in der Sekundarstufe I regulären Fachstatus erhält.

Mit der Einrichtung von Theaterklassen und der Einbindung von Theater im Ganztagsbereich können Gymnasien leichter als bisher Theater als festen Bestandteil ihres Angebots im Schulprofil verankern. Damit wird es Schülern ermöglicht von der 5. bis zur 12. Jahrgangsstufe durchgängig qualifizierten Unterricht im Fach Theater zu erhalten. 

Damit ergibt sich auch stärker als bisher die Möglichkeit auf den Vorerfahrungen der Schülerinnen und Schüler aufzubauen und konsekutive Modelle des Theaterunterrichts einzuführen. Grundsätzlich lassen sich unabhängig von den jeweiligen Theaterprojekten und schulspezifischen Gegebenheiten einige allgemeine Tendenzen zum Theater in den einzelnen Jahrgangsstufen feststellen.

Gerade in der Unterstufe spielt das Theater eine ganz entscheidende Rolle bei der Entwicklung eines gesunden Klassenklimas und dem Aufbau einer solidarischen Klassengemeinschaft. Das soziale Lernen und die damit verbundene Stärkung des Klassenverbands spiegelt sich in der Lern- und Leistungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler in allen anderen Unterrichtsfächern wider. Das liegt nicht zuletzt an den Möglichkeiten der Rhythmisierung der Stundentafel und dem eigenverantwortlichen Lernen im Rahmen der Projektarbeit im Theater. Sprachförderung und Integration sind an vielen Schulen wichtige Zielsetzungen, die mit der Theaterarbeit in der Unterstufe verbunden werden.

Die zwischenleibliche Dimension des Theaterspielens gewinnt für Schülerinnen und Schüler in der Mittelstufe enorm an Bedeutung. Die unterschiedliche und teils schwierige Entwicklung der Jugendlichen mit ihren körperlichen, emotionalen und geschlechtsspezifischen Veränderungen wirkt sich gravierend auf die Spielbereitschaft und -fähigkeit aus. Das Darstellen bietet den Heranwachsenden bei ihrer Identitätsentwicklung eine willkommene Gelegenheit zum spielerischen Erproben neuer Handlungsmöglichkeiten, konfrontiert sie aber auch unausweichlich mit ihrem Entwicklungsstand. Die Schüler können im Theater stärker als in anderen Fächern ihre eigenen Lebenswelten thematisieren und gestaltend problematisieren. Viele Jugendliche erfahren im Theater über einen weiter gefassten Leistungsbegriff eine schulische Wertschätzung, die sie in ihrer Entwicklung dringend benötigen.