Profilfach

„Theater gehört zu den Fächern, die einen ästhetisch-expressiven Modus der Weltbegegnung ermöglichen, und ist ein Fach der ästhetischen Bildung. (...) In der Auseinandersetzung mit der symbolischen Welt des Theaters erhalten die Schüler einen Zugang zu vielfältigen kreativen Weltentwürfen. Sie lernen gedankliche Entwürfe und deren künstlerische Umsetzung in Theaterstücken kennen und verstehen. (...) Der Schwerpunkt des Unterrichts liegt auf der praktischen Arbeit, die auf der Grundlagenarbeit in den Bereichen Stimme, Klang, Rhythmus und Körper, Aktion, Rolle aufbaut und diese gezielt fortführt. (...) In der intensiven Probenarbeit und Kooperation mit anderen Fächern setzen sich die jungen Menschen bewusst mit Teamarbeit und Sozialverhalten auseinander. Dies trägt zur positiven Gestaltung des Unterrichtsgeschehens und zum kommunikativen und respektvollen Miteinander bei. (...) Theateraufführungen leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum Schulleben und schärfen das Profil der Schule.“ [Auszüge aus dem Lehrplan zum Profilfach Theater]

Überblick zum Profilfach:

  • Profilbereich aus dem Zusatzangebot der Schule (über 2-4 Semester)
  • Lehrplanbezogen
  • Vermittlung theatraler Grundlagen und Kompetenzen
  • Starker Praxisbezug und künstlerische Ausrichtung
  • Präsentation in Form einer Theateraufführung vor Publikum

Materialien zum Profilfach

TAG bietet im Bereich Service››Materialien››Materialiensammlung einen Ordner mit unterschiedlichsten Materialien für das Profilfach Theater bereit, die als Anregung für die eigene Theaterarbeit dienen können (z.B. Prüfungsunterlagen / Textvorschläge etc.).

 

Plädoyer für Theater in der Oberstufe als Profilfach

Seit der Einführung der neuen Oberstufe gibt es verschiedenste Möglichkeiten, in der gymnasialen Oberstufe Theater anzubieten. Neben dem Profilbereich kann Theater auch Thema eines P- oder eines W-Seminars sein. Der Landesverband Theater am Gymnasium in Bayern (TAG) spricht sich dafür aus Theater in der gymnasialen Oberstufe vornehmlich als Profilfach anzubieten und ruft alle Theaterlehrer auf, dies auch so weit als möglich bei der jeweiligen Schulleitung durchzusetzen.

Aus unserer Perspektive sprechen dafür zahlreiche Gründe:

  1. TAG Plädoyer Profilfach (pdf)

    Nur im Profilbereich hat Theater einen Fachstatus.

    Bildungspolitisch ist dieser Fachstatus ungemein wichtig, denn nur über den Fachstatus lassen sich Studiengänge und weitere Qualifizierungsmaßnahmen legitimieren. Der Fachstatus stärkt außerdem die Etablierung und Institutionalisierung des Faches Theater als 3. künstlerisches Fach neben Kunst und Musik und fördert die Position des Landesverbandes,  auch in der Sekundarstufe I mittel- bis langfristig Theater in einem Wahlpflichtbereich anbieten zu können.

  2. Nur im Profilbereich tritt das Fach Theater als eigenständige Kunstform auf.

    P- oder W-Seminare, die Theater zum Inhalt haben, müssen an ein Leitfach, wie z. B. Deutsch oder Kunst angebunden werden. Theater muss aber als eigenständige Kunstform wahrgenommen werden und nicht als besondere Form oder kreative Variante eines Deutsch- oder Kunstunterrichts. Diese Wahrnehmung und dieses Selbstverständnis des Faches Theater ist für die weitere Fachentwicklung fundamental, denn nur so lässt sich mittel- und langfristig Theater im Sinne eines zeitgemäßen Allgemeinbildungsverständnisses im schulischen Fächerkanon legitimieren und etablieren.

  3. Nur für das Fach Theater im Profilbereich existiert ein Lehrplan.

    Der Lehrplan ist ein wichtiger Schritt hin zur Professionalisierung des Fachs Theater, da hier auf Augenhöhe mit anderen Fächern klar beschrieben wird, welche Bildungspotenziale das Fach Theater in Hinblick auf eine zeitgemäße Allgemeinbildung bereit hält und welche Inhalte dazu in dem Fach vermittelt werden sollen.

  4. Nur aus dem Profilfach Theater kann einmal Theater als 5. Abiturfach wählbar werden.

    In dem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 16.11.2006 wurden die sog. Einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung (kurz: EPA) im Fach Darstellendes Spiel verabschiedet. Die Länder wurden in diesem Beschluss gebeten, die EPA für das Fach Darstellendes Spiel bis spätestens zur Abiturprüfung im Jahr 2010 umzusetzen. Das Land Bayern hat diesen Beschluss bisher noch nicht umgesetzt. Der Weg dorthin kann aber nur über eine verbreitete Etablierung des Profilfachs Theater gehen.

  5. Der Profilbereich ermöglicht kontinuierliches Arbeiten.

    Im Gegensatz zum Seminarbereich können im Profilbereich bis zu vier Halbjahre Theater belegt werden. Damit kann eine kontinuierliche Arbeit wie im früheren Grundkurs Dramatisches Gestalten mit einem Kreis von Stammschülern gewährleistet werden. Im PSeminar können max. 2 Halbjahre Theater „gemacht“ werden, da in einem Halbjahr BUS gemacht werden muss.

  6. Theater als Wahlpflichtfach hat mehr Stabilität als im Seminarbereich.

    Das Zustandekommen eines P- oder W-Seminars hängt wesentlich stärker vom jeweiligen Angebot anderer Fächer, der Auswahl der Schulleitung und dem Wahlverhalten der Schüler eines Jahrgangs ab. Als etabliertes Profilfach hat Theater mehr Akzeptanz und Stabilität, da es auch jahrgangsübergreifend (K 10 - Q12) angeboten werden kann und somit auch weniger interessierte Jahrgänge überbrücken kann.

  7. Im Profilbereich der Oberstufe spiegelt sich auch das Profil der Schule wider.

    Im Wahlpflichtbereich lässt sich auch immer ein Stück weit das Profil der jeweiligen Schule ablesen. Dieses Profil hat über die Oberstufe hinaus Strahlkraft und fördert im Falle des Theaters auch AGs in der Unter- und Mittelstufe. Durch den Wahlpflichtbereich findet das Theater die Anerkennung und die Akzeptanz, die es braucht um strukturell auf sichereren Füßen zu stehen.

Diese Gründe sprechen dafür, dass man aus produktionsästhetischen Überlegungen und aus bildungspolitischen Gründen dem Profilfach Theater Priorität einräumen sollte! Wenn man genügend Ressourcen und Möglichkeiten an einer Schule hat, steht es natürlich frei die ganze Palette der neuen Oberstufe im Sinne des Theaters auszuschöpfen und zusätzlich zum Wahlpflichtfach Theater auch noch ein P-Seminar und sogar noch ein W-Seminar mit theatralen Inhalten anzubieten. Das wären dann insgesamt 6 Wochenstunden Theater! P- und W- Seminare bieten sich also idealer Weise als flankierende Ergänzung zu einem fest etablierten Profilfach Theater an, um nicht zuletzt das Gewicht und das Ansehen von Theater an der Schule zu stärken.

Der Vorstand von TAG

Landesverband Theater am Gymnasium in Bayern

Februar 2011