Festival

Schultheaterfestivals

Festivalatmosphäre

Festivals sind für die teilnehmenden Gruppen und die Zuschauer Highlights im Theaterjahr. Festivals bieten einen Einblick in die Qualität der Theaterarbeit an Schulen, bieten einen Einblick in aktuelle Arbeitsweisen und Strömungen, sind Inspirationsquelle und Innovationsbörse.

  • Festivals bieten Begegnungsmöglichkeiten, ermöglichen Erfahrungsaustausch und würdigen das Engagement der Beteiligten.
  • Festivals bieten ein interessiertes Fachpublikum, das die Reflexion über Theater und seine aktuellen Erscheinungsformen mitgestaltet.
  • Festivals sind aber auch eine Fortbildungsveranstaltung für die teilnehmenden Lehrkräfte.

Erfahrungsbericht eines Mitwirkenden an den 53. Theatertagen der bayerischen Gymnasien in Deggendorf

Der Grundkurs „Dramatisches Gestalten“ wurde von einer Jury zu den 53. Theatertagen der bayerischen Gymnasien vom 26. bis 29. Juli 2009 in Deggendorf eingeladen. Die Schauspieler des Carl-Orff-Gymnasiums Unterschleißheim haben mit ihrer Version des Stücks "Der Sandmann" nach E.T.A. Hoffmann das Festival in der Stadthalle in Deggendorf eröffnet.

Der Sandmann

An was denkt man denn, wenn man das Wort Festival hört? Übernachten in Zelten ohne jeden Komfort, hygienische Versorgung auf eher geringem Niveau und Nächte, in denen Schlaf eher Mangelware ist. All das trifft wohl auch auf die Theatertage zu und doch sind sie viel mehr als das. Auch wenn einem nach drei Tagen Schlafen auf einer Isomatte morgens um acht der Rücken höllisch schmerzt, so steht man doch gerne auf in freudiger Erwartung, gleich das erste Theaterstück des Tages sehen zu dürfen. Das ist es, was diese vier Tage zu etwas macht, was durch keine andere Schulfahrt ersetzt werden kann. Kultur erlebt man hier nicht in Form verstaubter Kirchen oder vergilbter Gemälde, nein, hier wird sie einem direkt ins Gesicht geklatscht. Das ist nicht immer einfach oder gar angenehm, wenn man 12 Theaterstücke in so kurzem Zeitraum sieht.

Trotzdem quält man sich die Müdigkeit aus den Augen reibend immer wieder von Spielort zu Spielort, stets in der Ungewissheit, ob nicht das nächste Stück der Geniestreich sein wird, auf den man insgeheim wartet, oder doch nur ein weiteres Stück, an dessen Ende man sagen konnte: es war nett. Doch die Stücke polarisierten teilweise auch ungemein, so kam es oft zu hitzigen Disputen und einer homogenen Mischung aus gelangweilten und begeisterten Mienen. Geschmack ist immer subjektives Empfinden, das lernt man nicht zuletzt bei nächtlichen Diskussionen - mit dem einen oder anderen Gläschen diverser Flüssigkeiten - darüber, was Theater eigentlich ausmacht. Darüber, ob Kunst bloße Unterhaltung sein soll und darf, oder ob nicht mehr hinter ihr liegt. Gerade bei der großen Variation der gebotenen Stücke war es verständlich, dass die Meinungen geteilt waren. Die Auswahl reichte von einem Musical über eine beliebig wirkende Aneinanderreihung von ausgefallenen Szenen bis zu statischem Sprechtheater.

Beeindruckend war auch die Erfahrung, mit den Schauspielern der anderen Stücke ganz persönlich von Mensch zu Mensch sprechen zu können. Das geschah zum einen in den zweifelsohne interessanten und gut von Theaterlehrern geleiteten Besprechungen, in denen eine Gruppe jeweils eine andere, die sie genau zu beobachten hatte, lobte oder kritisierte. Zum anderen förderte das eine oder andere freundschaftliche Gespräch auf dem Schulgang Erstaunliches zu Tage, widerlegte eigene Interpretationen und eröffnete ganz neue Blickwinkel. Da fiel es auch nicht schwer, Schauspielern, deren Stück man wirklich mochte, ein herzliches Kompliment zu schenken. In dieser freundlichen Atmosphäre störten auch lapidare Widrigkeiten, wie oft lange Schlangen vor der wirklich recht guten Essensausgabe, oder manchmal leere Papierspender auf den Toiletten nicht, fand man sich doch bei Orientierungsproblemen in guten Händen der Deggendorfer Schüler, die einem sofort halfen, etwa die Mensa zu finden.

Aber man war nicht nur zum Zuschauer degradiert, in Workshops durfte man auch noch selbst seine Kreativität unter Beweis stellen und seine Spielfreude ausleben. Ich kann nur sagen, dass es eine tolle Erfahrung war, sich mitten auf einen Uni-Campus zu stellen und vor den Studenten eine kurze Szene zu spielen, auch wenn einem oft Überraschung und gar Unverständnis entgegen schlugen. Das ganze nennt sich dann Spiel im öffentlichen Raum und - um den Workshopleiter zu zitieren - ist "Punkrock pur".

Insgesamt sind die Theatertage einfach eine Erfahrung für einen jungen Menschen, die er in der Form selten in seinem Leben machen kann. Wann kann man so viel Theater für so wenig Geld sehen, wann soviel interessante Leute auf einmal kennen lernen, wann so eine intensive Zeit erleben? Nicht zuletzt war der Auftritt auf einer so großen Bühne vor etwa 400 Personen einfach berauschend, der Moment so schön, dass man ausrufen wollte: "Augenblick, du bist so schön, verweile doch!"