Jahrestagung 2020

Rückblick Jahrestagung 2019

Workshop mit Veit Güssow

Und da sind sie, mitten im Workshop, diese ganz intensiven Momente: Wenn Veit Güssow vor der Gruppe steht, scheinbar in sich selbst versunken, - um danach eine komplizierte Frage den staunenden Workshopteilnehmer*innen anschaulich zu erklären – was absolut gelingt. Davon konnten sich zwanzig Theaterlehrer*innen im Rahmen des Workshops auf der Jahresversammlung von TAG überzogen.

Ein Workshop über Möglichkeiten des Performativen im Schultheater von einem Profi-Regisseur, der bis zur letzten Spielzeit an der Oper in Halle als Hausregisseur und stellvertretender Intendant tätig war, ist für beide Seiten eine Herausforderung, die ab und an die Momente des Innehaltens gut verträgt. So hat sich die Teilnahme für alle als anregend und motivierend erwiesen.

Dies gilt insbesondere auch für die theoretischen Seiten des Workshops, in denen mehrfach der Begriff des Performativen durchleuchtet wurde. Im Ergebnis bleibt und ist performativ, was den/die Schauspieler*in auf der Bühne als individuelle Person erscheinen lässt, wobei die Wahrnehmung des Zuschauers über diese Realität entscheidet. Ist das Zupfen am Kostüm ein Privatisieren des Spielers oder eine Erfordernis der Rolle. Darüber kann der jeweilige Betrachter durchaus unterschiedlich befinden.

Spielerische Versuche dazu boten Übungen, wie das „Klassentreffen“. Auf der Spielfläche begegnen sich Protagonist*innen, die zu einem Klassentreffen versammelt sind, und zunächst Gerüchte über ihre ehemaligen Mitschüler*innen, und in einem zweiten Schritt die neuesten Sensationen im Zusammenhang mit Klimawandel und Umweltschutz verbreiten.

Aus den „Gerüchten“ des zweiten Teils wurden in einer Übung von einzelnen Spieler*innen Behauptungen kolportiert, die dann von den anderen spielerisch als glaubwürdig oder nicht glaubwürdig eingestuft werden sollten. Wenigstens im Akt der Abstimmung konnte das Performative sichtbar werden.

Im Mittelpunkt der szenischen Arbeit des Workshops stand die Oper Rusalka von A. Dvorak, im Wesentlichen eine Adaption des Märchens von der kleinen Seejungfrau. Das in seiner Textlichkeit sehr reduzierte Opernlibretto lag in Kernszenen bereit. Jeweils eine Gruppe übernahm eine Szene mit dem Auftrag, in einer szenischen Umsetzung sowohl eine Ansprache des Publikums zu erreichen als auch ergänzenden Text aus einem bereit gestellten Internetchat einzubeziehen.

Dies gelang in allen Ansätzen, die in kritischer Auseinandersetzung anschließend zielsicher weiter entwickelt wurden. Die Mittel des Performativen, im Sinne einer Ansprache des Publikums, realisierten sich in direkten Befragungen, in Aufgaben, die dem Publikum gestellt wurden oder Entscheidungen, die von ihm verlangt waren. Daneben kann eine Erzählung über die Abläufe auf der Bühne als performatives Element erscheinen.

Highlight zum Schluss: Das schnelle Verlesen eines Chattextes mit allem, was darin im direkten Ausdruck aus dem Internet enthalten ist, verteilt  in freier Reihenfolge auf drei Sprecher die bei Fehlern immer ein gemeinsames „Yeah“ ausstießen. Belustigender Abschluss eines absolut gewinnbringenden Workshop.

Michael Aust