Ganztagsschulen

„Der (…) Ausbau von Ganztagsschulen (…) stellt einen wesentlichen Beitrag zur zukunftsorientierten Weiterentwicklung des bayerischen Bildungswesens dar, der mehr individuelle Förderung, mehr Chancengerechtigkeit für die Schülerinnen und Schüler (…) ermöglicht. Bayern reagiert damit sowohl auf gesellschaftspolitische als auch auf bildungspolitisch-pädagogische Herausforderungen.“ (ISB Handreichung Gebundene Ganztagsschule)

Die Einbindung von Theater in Ganztagsklassen bietet Gymnasien einen einfachen, aber sinnvollen Weg auf die besonderen Herausforderungen im Ganztagsbetrieb zu reagieren. Mit Theater im Ganztagsangebot wird die Ausrichtung auf einen ganzheitlichen Bildungsbegriff betont, dem gerade Ganztagsschulen in besonderer Weise verpflichtet sind.
Wenige Felder sind zur Förderung von ganzheitlicher Bildung so geeignet wie das Theater. Es dient der ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung der Schüler, indem es gleichermaßen seine rationalen wie emotionalen, intellektuellen wie kreativen, physischen wie ästhetischen, individuellen wie sozialen Fähigkeiten fördert. Diese Bildungspotenziale des Theaters hat auch Hartmut von Hentig im Blick, wenn er feststellt, „dass das Theaterspiel eines der machtvollsten Bildungsmittel ist, die wir haben: ein Mittel, die eigene Person zu überschreiten, ein Mittel der Erkundung von Menschen und Schicksalen und ein Mittel der Gestaltung der so gewonnenen Einsicht.“ (Hartmut v. Hentig Bildung, München 1996 S.119)

Überblick zu Theater in Ganztagsklassen:

  • im Klassenverband
  • im Sinne der Rhythmisierung des Stundenplans
  • als Ergänzung des Unterrichtsangebots
  • Teil des regulären Unterrichts: Teilnahme verpflichtend

TAG setzt sich dafür ein, dass das Fach Theater im Zuge des Ausbaus von Ganztagsschulen als eine der sinnvollsten Möglichkeiten einer Ausweitung schulischen Unterrichts wahrgenommen wird.

Warum Theaterunterricht im Rahmen des Ganztages?

Der besondere Stellenwert des Theaters für Ganztagsschulen zeigt sich gerade in seiner physischen, ästhetischen und sozialen Dimension. Die Entwicklung zur Ganztagsschule heißt, „Schule als Lebenswelt“ zu entwickeln, denn in der ganztägigen Anwesenheit der Schülerinnen und Schüler steckt eine große Chance: (Einzel-)Kinder haben Gelegenheit, in vielfältiger Form Gemeinschaft zu erfahren und sinnvoll Freizeit zu gestalten. Das Theater als soziale Kunstform bietet hier von den ersten Gruppenfindungsphasen bis hin zur gemeinsamen Aufführung zahlreiche Möglichkeiten sich selbst und in der Begegnung mit anderen in einer Gemeinschaft zu erleben. Damit Theater gelingen kann, benötigt es eine strikte Aufgabenorientierung und damit eine Fülle unterschiedlichster Fähigkeiten und Fertigkeiten, wie z.B. Verlässlichkeit, Empathie, Selbstdisziplin und Kritikfähigkeit, die hier in der Gemeinschaft gleichsam nebenbei erworben werden und erworben werden müssen. Alleine lässt sich kein Theater gestalten; neben Eigeninitiative erfordert das Spiel in und mit der Gruppe auch den Willen zur Mitgestaltung und Mitverantwortung. 

TAG_Theater an Ganztagsschulen

Ganztagsschule bedeutet auch, dass die Schulen mehr als bisher zum Lebensraum der Kinder werden, und deswegen auch an die zeitliche und inhaltliche Struktur des Schulbetriebs unter biologischen und lernpsychologischen Aspekten hohe Anforderungen gestellt werden. Theater als ein zwischenleibliches Geschehen kann in diesem Zusammenhang ebenfalls einen wesentlichen Beitrag zur Rhythmisierung der Stundentafel leisten. Wie in keinem anderen Feld bekommt die Leiblichkeit im Theater besondere Aufmerksamkeit. Die Spieler nutzen ihren Leib als Werkzeugleib, als Sinnenleib, als Erscheinungsleib, als Sozialleib und als Symbolleib, also als Instrument der Handlung, der Wahrnehmung, des Ausdrucks, der Beziehung und der Bezeichnung. Ganzheitliche Bildung im Lebensraum Schule bedeutet hier auch einen Wechsel von rein kognitiv ausgerichteten Lernformen. Guter Theaterunterricht ist dabei selbst schon „rhythmisiert“: damit ist der Wechsel von Anstrengung und Erholung, Bewegung und Ruhe, kognitiven und praktischen Arbeitsphasen, Aufnehmen und Besinnen, gelenktem Arbeiten und Selbsttätigkeit, Konzentration und Zerstreuung und individuellem Arbeiten und Arbeiten in der Gruppe gemeint.

Neben den zeitlichen und organisatorischen Möglichkeiten, eröffnen sich mit dem Ausbau von Ganztagsschulen vor allem inhaltliche Gestaltungsräume, die in der klassischen Vormittagsschule oftmals keinen angemessenen Platz fanden. Theater gehört wie Kunst und Musik zu den Fächern, die einen ästhetisch-expressiven Modus der Weltbegegnung ermöglichen, und ist ein wesentlicher Teil unserer Kultur. Damit gehört es zum Kernbereich der ästhetischen Bildung im Gymnasium. Der Stellenwert dieses Modus der Welterfahrung zeigt sich u.a in der von Eckhard Klieme herausgegebenen Expertise zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards (BMBF), in der die ästhetisch-expressive Dimension gleichberechtigt neben der historisch-gesellschaftlichen, mathematisch-naturwissenschaftlichen, mutter- und fremdsprachlichen Dimension als Bestandteil eines Kerncurriculums moderner Allgemeinbildung bestimmt wird. 

Theaterklasse in Aktion!

Auch das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus bietet den Bereich der kulturellen Bildung als mögliche Schwerpunktsetzung im Rahmen des gebundenen Ganztageskonzepts an. Das Theater kann dabei eine herausragende Rolle spielen. Mit dem Spiel mit Fiktionen und den Möglichkeiten aus inszenatorischer, performativer und semiotischer Ebene eröffnen sich höchst komplexe Erfahrungs- und Bildungsmöglichkeiten, die nur im Theater gewonnen werden können. Theater „ist Auseinandersetzung (wahrnehmend und gestaltend) des Subjekts mit sich selbst im Medium der Kunst.“ (Ulrike Hentschel, Theaterspielen als ästhetische Bildung.) Theater bietet Heranwachsenden die Möglichkeit, sich selbst ausprobieren und zu einer eigenen Deutung der Welt gelangen. Als „unreine“ Kunstform integriert Theater Sprache, Musik, bildende Kunst, Medien, Sport, Tanz und vieles mehr. „Die damit verbundene inhaltliche und kulturelle Komplexität und genuine Interdisziplinarität bietet kein anderes Schulfach.“ (Eckart Liebau) Neben den spezifischen Potenzialen theatraler Bildung ist Theater als ästhetische Bildung immer auch ein wesentlicher Schlüssel für die Teilhabe an der Gesellschaft und leistet dadurch einen wichtigen Beitrag zur Chancengleichheit

Der Ausbau von Ganztagsschulen und die Rhythmisierung der Stundentafel erleichtern auch die strukturelle Integration von Theater in den schulischen Alltag. Bei mehr Nachmittagsunterricht muss sich auch der Unterricht als solcher in seiner Methodik und in seinen Sozialformen den veränderten Gegebenheiten anpassen. Theater hat dabei als handlungs- und erfahrungsorientierter Unterricht in der Form von Projektunterricht zentrale Bedeutung.

Die Potenziale des Theaters treffen damit wesentliche Zielsetzungen, die mit dem Ausbau von Ganztagsschulen verbunden werden. Mit der Integration von Theater in den Stundenplan von Ganztagsschulen ist den Schulen die Möglichkeit gegeben den ganzheitlichen Bildungsauftrag des Gymnasiums auf die gesellschaftspolitischen als auch auf bildungspolitisch-pädagogische Herausforderungen anzupassen.

Theater im offenen Ganztag

Im offenen Ganztag steht das Theater neben vielen anderen Angeboten (von Gitarrenstunden bis zum Mentorenprogramm älterer Schüler). Zudem drängen auch externe Kräfte (Tanz-, Musik-, Theaterpädagogen, Sportvereine, Rotes Kreuz, usw.) in diesen Bereich. Dazu ist zu sagen (siehe oben), dass Theater pädagogisch und bildungstheoretisch sicherlich das sinnvollste Angebot darstellt. Zudem sind ausgebildete Theaterlehrer für das Theater in der Schule als die bestmöglichen Fachkräfte anzusehen, so dass externe Kräfte an sich nicht notwendig sind. Hier gilt es lediglich, die Schulleitung davon zu überzeugen, dass für den Theaterunterricht im offenen Ganztag Budgetstunden eingesetzt werden können. Bei geschickter Unterrichtsverteilung sollte dies jedoch kein Problem darstellen. 

Jahresplan Theater (5-6)

Einschränkungen bei der Gestaltung des Theaterunterrichts im offenen Ganztag gibt es nicht. Grundsätzlich sollte man aber davon ausgehen, dass dabei keine „abendfüllende Aufführung“ entstehen muss, sondern eher kurze Werkstattpräsentationen. Orientierung bietet der Jahresplan für Theater in den Jahrgangsstufen 5-6. Eine Benotung findet in der Regel nicht statt. Die Teilnahme kann aber durch eine geeignete Zeugnisbemerkung bescheinigt werden.

Beispiel Offener Ganztag: Modell Albert-Einstein-Gymnasium München

Theater im gebundenen Ganztag

Die Gestaltung des Programms im gebundenen Ganztag liegt ganz in der Hand der ausrichtenden Schule. Wie oben geschildert, kann und sollte Theater in einem vernünftigen Ganztageskonzept eine wichtige Rolle spielen. Ausgebildete Theaterlehrer sollten in diesem Zusammenhang die Chance nutzen und überzeugende Angebote unterbreiten, wie das Fach im Ganztag positioniert werden kann. 
Im gebundenen Ganztag ist Theater Teil des regulären Unterrichtsprogramms, d.h. Pflichtunterricht und wird dementsprechend in den rhythmisierten Stundenplan fest eingebaut. Es ist darauf zu achten, dass Theater nicht unbedingt in den späten Nachmittagsstunden stattfinden muss, sondern – im Sinne einer Rhythmisierung – auch zwischen einer Doppelstunde Deutsch und einer Doppelstunde Mathematik am Vormittag stehen kann. Nur auf diesem Wege können die Potentiale des Faches komplett ausgeschöpft werden.
Es bieten sich Absprachen mit anderen Institutionen, Fächern bzw. Angeboten an: Stärkung der Sozialkompetenzen (Sozialpädagogen, Schulpsychologen), Sprachförderung für Schüler mit Migrationshintergrund, Zusammenarbeit mit dem Deutsch- oder Fremdsprachenunterricht, usw. 
Da der Theaterunterricht im Klassenverband stattfindet, hat man so die Möglichkeit eine gleichbleibende Gruppe über mehrere Jahre hinweg zu begleiten. Einschränkungen bei der Gestaltung des Theaterunterrichts im gebundenen Ganztag gibt es nicht. Grundsätzlich sollte man aber davon ausgehen, dass dabei keine „abendfüllende Aufführung“ entstehen muss, sondern eher kurze Werkstattpräsentationen. Möglich sind auch kurze Präsentationen am Informationstag für die zukünftigen Fünftklässler, am Tag der offenen Tür oder an speziellen Informationsabenden zum Ganztagesbetrieb. Orientierung bietet der Jahresplan für Theater in den Jahrgangsstufen 5-6. 
Im gebundenen Ganztag ist aber darauf zu achten, dass sich eine kontinuierliche Entwicklung über die Jahre ergibt, auf die dann in der Mittelstufe bzw. im Wahlprofilfach der Oberstufe aufgebaut werden kann. Eine Benotung findet in der Regel nicht statt. Die Teilnahme kann aber durch eine geeignete Zeugnisbemerkung bescheinigt werden.

Beispiel Gebundener Ganztag: Modell "Ganz Theater" am Pirckheimer-Gymnasium Nürnberg

TAG spricht sich dafür aus, dass Theater im Rahmen von Ganztagsschule von Fachlehrern unterrichtet wird.

 

 

 
 
Pirckheimer-Gymnasium, Nürnberg

Das Modell: Ganz Theater und Projektschule für Theatrale Bildung

„Ganz Theater“ – Das Modell Pirckheimer-Gymnasium

Am 12. November 2013 war es endlich soweit, die offizielle Unterzeichnung des Kooperationsvertrages, der das Projekt „Ganz Theater“ besiegelt, fand am Pirckheimer-Gymnasium Nürnberg statt.

Mit dem Projekt „Ganz Theater“erweitert das Pirckheimer-Gymnasium sein ohnehin breit gefächertes Angebot im künstlerisch-ästhetischen Bereich noch um eine entscheidende Komponente. In Zusammenarbeit mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Lehrstuhl für Pädagogik II) und der Akademie für Schultheater und Theaterpädagogik Nürnberg, sowie mit Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst wurde ein Modell entwickelt, das es möglich macht, in der Sekundarstufe I und II durchgängig qualifizierten Unterricht im Fach Theater zu erhalten. Dieses Projekt ist in ganz Bayern einmalig! 

Offizielle Kooperationspartner im Rahmen von „Ganz Theater“:
Staatstheater Nürnberg
Gostner Hoftheater Nürnberg

Offizieller Sponsor:
Sparkasse Nürnberg

Das Modell „Ganz Theater“ ruht auf zwei Säulen:

  1. Theater spielen: Am Pirckheimer-Gymnasium ist es möglich, von der 5.-12. Jahrgangsstufe qualifizierten Unterricht im Fach Theater zu besuchen und aktiv an Theaterprojekten Teil zu nehmen. Im Bereich des gebundenen Ganztagesprogramms sind zwei Wochenstunden Theater als Pflichtunterricht fest in den Stundenplan integriert.
  2. Theater schauen: In den Jahrgangsstufen 8 bis 12 ist ein Theaterbesuch im Jahr verpflichtend. Der Theaterbesuch wird in den Fachunterricht Deutsch integriert und in Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern vor- bzw. nachbereitet. Die Eintrittskarten erhalten die Schülerinnen und Schüler zu einem verbilligten Preis, außerdem werden diese zusätzlich durch Sponsorengelder bezuschusst.

Das Pirckheimer-Gymnasium Nürnberg erweitert mit seinem Modell „Ganz Theater“ sein modernes Konzept der gymnasialen Allgemeinbildung um eine entscheidende Facette und unterbreitet ein lohnendes Angebot, wie Heranwachsende in der Schule Kultur am und mit dem eigenen Leib erleben können. Mit der Verankerung des Theatermodells im Rahmen des gebundenen Ganztages soll sowohl auf gesellschaftspolitische als auch auf bildungspolitisch-pädagogische Herausforderungen reagiert werden. Durch „Ganz Theater“ wird nicht nur ein wesentlicher Beitrag zur ganzheitlichen Bildung und damit zur Persönlichkeitsentwicklung der Heranwachsenden geleistet, sondern auch eine Form der ästhetischen Bildung fest in die Lebenswelt der Schüler integriert. Dabei sollen die sich bietenden Synergieeffekte in Nürnberg genutzt und eine breite Vernetzung erreicht werden. Das Pirckheimer-Gymnasium stellt dabei ein kulturelles Zentrum im Süden Nürnbergs dar, das auf die Stadt und den Bezirk Mittelfranken ausstrahlt. Das Projekt beweist, dass substantieller Unterricht im Fach Theater möglich ist! 

Mit der festen Verankerung des Theaterprojekts in den Fachunterricht der Jahrgangsstufen 8 - 12 wird sowohl auf gesellschaftspolitische als auch auf bildungspolitisch-pädagogische Herausforderungen reagiert. Dies gilt im Besonderen auch für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und aus Zuwandererfamilien, denen sich durch die Teilhabe am Kulturleben der Stadt neue und individuelle Bildungschancen eröffnen. Deren Erfolg in der Schule und die Vorbereitung auf Ausbildung und Studium sind die besten Voraussetzungen für eine gelungene Integration in unsere Gesellschaft. 

Die Aufführungen werden im Deutschunterricht vorbesprochen und nach dem Theaterbesuch die Umsetzung und Dramaturgie mit einem Mitglied des Ensembles diskutiert und analysiert. Das Kooperationsprojekt geht jedoch weit über die Theaterbesuche während des Schuljahres hinaus. Schüler und Theatermacher treten in einen intensiven, lebendigen Austausch ein. Die Mitglieder der Schulfamilie entdecken das vielfältige Potenzial des Theaters als Bereicherung der ästhetischen und kulturellen Bildung, die Theater erfahren ihrerseits die Ansichten, Meinungen und Interessen und Erfahrungen der jungen Menschen, aus denen Impulse für die eigenen Inszenierungsprozesse und Spielplangestaltungen erwachsen. 

Da der Theaterunterricht im Klassenverband stattfindet, hat man so die Möglichkeit eine gleichbleibende Gruppe über mehrere Jahre hinweg zu begleiten. In der Mittel- und der Qualifikationsstufe bieten sich vielfältige Möglichkeiten, die erworbenen Grundkenntnisse in freiwilligen Arbeitsgemeinschaften oder im Rahmen des Wahlprofilbereichs bzw. den verpflichtenden Seminaren zu vertiefen. Auf diesem Wege können die erzielten Leistungen auch Eingang in die Abiturnote finden. 

„Darstellendes Spiel ist bis auf weiteres ein Prüfungsfach der mündlichen Abiturprüfung. Auf der Grundlage der hier getroffenen allgemeinen Festlegungen über die Inhalte und Anforderungen der Abiturprüfung können Länder ggf. das Fach auch als schriftliches Prüfungsfach auf grundlegendem Anforderungsniveau erproben.“ (Einheitliche Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung (EPA) im Fach Darstellendes Spiel. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 16.11.2006)

Ist dieser KMK-Beschluss letztendlich umgesetzt, sind die Schülerinnen und Schüler des Pirckheimer-Gymnasiums bestens auf diese Herausforderung vorbereitet. 

Theater realisiert sich endgültig erst in einer – wie auch immer gearteten – Aufführung. Theater benötigt den Zuschauer, sonst findet kein Theater statt. Das gilt natürlich auch für die Theaterneulinge in den Ganztagesklassen. Denkbar sind Werkstattpräsentationen oder kleinere Aufführungen vor den Eltern oder der Parallelklasse. Möglich sind auch kurze Präsentationen am Informationstag für die zukünftigen Fünftklässler, am Tag der offenen Tür oder an speziellen Informationsabenden zum Ganztagesbetrieb. 

 

Einen Überblick über die Bestandteile des Theater-Modells bietet der Jahresplan für Theater in den Jahrgangsstufen 5-6. Eine Benotung findet in der Regel nicht statt. Die Teilnahme wird aber durch eine geeignete Zeugnisbemerkung bescheinigt.

Details zum Modell "Ganz Theater" lassen sich dem unterzeichneten Kooperationsvertrag entnehmen.

Das Modell des Pirckheimer-Gymnasium findet sich in übersichtlicher Form auf dieser homepage der Bundesregierung

http://www.ganztagsschulen.org/de/7845.php

 

Für das Modell „Ganz Theater“ hat das Pirckheimer-Gymnasium mittlerweile ganz offiziell den Titel „Projektschule für theatrale Bildung“ vom KM verliehen bekommen.

"Am Nürnberger Pirckheimer Gymnasium gehört Theater zum Alltag. Ab der achten Klasse gehen alle Schüler einmal im Jahr ins Nürnberger Schauspielhaus, mit Vor- und Nachbereitung im Unterricht. Vier ausgebildete Theaterlehrer betreuen die verschiedenen Theatergruppen. Das Gymnasium in der Nürnberger Südstadt besuchen besonders viele Schüler mit Migrationshintergrund ..." so lädt der Bayerische Rundfunk zu einer Reportage über die Theaterarbeit am Pirckheimer-Gymnasium ein, die über folgenden Link nachgehört werden kann:

http://www.br.de/radio/bayern2/gesellschaft/notizbuch/theaterprojekt-pirckheimer-gymnasium-102.html

Albert-Einstein-Gymnasium, München

Modellprojekt Theater im offenen Ganztag

Das Albert-Einstein-Gymnasium möchte mit diesem Modell eine wichtige Facette gymnasialer Allgemeinbildung erweitern, stärken und seinen Schülern ermöglichen, in der Schule kulturelle Bildung am und mit dem eigenen Leib erleben zu können. Durch die feste Einbindung von Theater in allen Jahrgangsstufen wird nicht nur ein wesentlicher pädagogischer Beitrag zur ganzheitlichen Bildung und damit zur Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler geleistet, sondern auch eine Form der ästhetischen Bildung nachhaltig in die Lebenswelt der Schüler integriert. Der Unterricht im Fach Theater kann dabei entweder im Klassenverband ("Theaterklasse") oder in festen Wahlgruppen durchgeführt werden.

Die Teilnehmenden erwerben und erweitern theaterästhetische Handlungskompetenzen in folgenden Bereichen:

Theater verstehen und wissen Theater gestalten
Theater reflektieren
An Theater teilhaben

Die Schülerinnen und Schüler werden von ausgebildeten Lehrkräften unterrichtet (Staatsexamen im Darstellenden Spiel).

Mit dem Konzept werden im Einzelnen folgende Bildungsziele verbunden:

Ästhetische Praxis – „Theater spielen“

Die Theaterklasse (entsprechend dem Modell einer Bläser- oder Streicherklasse) der 5. und 6. Jgst. fördert das soziale Lernen und unterstützt beim Übergang auf das Gymnasium die Entwicklung eines gesunden Klassenklimas. Schlüsselqualifikationen wie z. B. Teamarbeit, Verantwortungsbewusstsein, Kreativität und Durchhaltevermögen werden durch das gemeinsame Theaterspiel besonders ausgebildet. Grundlage des Unterrichts bildet der Jahresplan für das Fach Theater für die Jahrgangsstufe 5/6.

Schon in der Unterstufe findet der Theaterunterricht als handlungs- und erfahrungsorientierter Projektunterricht statt, der als Ziel eine ganzheitliche und fächerübergreifende Erarbeitung eines theatralen Produkts (Aufführung) hat und der durch die Auseinandersetzung mit sich selbst und der Kunst maßgeblich auf die Persönlichkeitsentwicklung jedes Einzelnen Einfluss hat.

Da der Unterricht im Klassenverband stattfindet, ergeben sich die Vorteile konstant und vertiefend mit einer gleichbleibenden Gruppe über mehrere Jahre hinweg arbeiten und die Kinder in ihrem künstlerischen Entwicklungsprozess begleiten zu können.

In der Theatergruppe der Mittelstufe können die erworbenen Kenntnisse wie darstellerische Grundlagenarbeit, Rollenarbeit, dramaturgische Bearbeitungsweisen von Stücken, Grundzüge der Regie in einer freiwilligen Arbeitsgemeinschaft vertieft werden. Gerade der „Schon- und Spielraum“ Theater bietet den Jugendlichen die Chance sich mit dem Eigenen und Fremden auseinanderzusetzen, mit ihrer Identität zurechtzukommen und ihre Persönlichkeitsbildung weiter zu fördern. Dabei gestalten die Schüler durch jahrgangsübergreifendes, interdisziplinäres und fächerübergreifendes Zusammenarbeiten Schulkultur und Schulleben mit.

In der Qualifikationsstufe können im Rahmen des Wahlprofilfachs „Theater und Film“ theatrale Grundlagen ausgebaut und im künstlerischen Schaffensprozess und der künstlerischen Produktion erweitert werden. Auf diesem Weg können die erzielten Leistungen auch Eingang in die Abiturnote finden (Inhalte und Anforderungen).

Eine Kooperation zwischen Oberstufenschülerinnen und –schülern mit der Theaterklasse ist dabei sinnvoll und kann gut umgesetzt werden (Die „Großen“ erarbeiten mit den „Kleinen“ Grundlagen oder gestalten gemeinsam eine Performance).

Im Rahmen eines P-Seminars mit einem bestimmten Schwerpunkt wie bspw. Site specific theatre bietet sich die Möglichkeit, ein künstlerisches größeres Projekt im Team zu erarbeiten und durch den Kontakt und die Zusammenarbeit mit externen Partnern (z.B Theaterpädagogen, Dramaturgen...) zu entwickeln.

Ästhetische Lesefähigkeit - „Theater schauen“

Ab der Jgst. 9 bis zur Q12 wird für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend jährlich ein Theaterbesuch durchgeführt, der im Deutschunterricht vor- und nachbereitet wird. Aspekte der Aufführungsanalyse und Möglichkeiten der Reflexion werden systematisch erarbeitet, die Teilhabe am kulturellen Leben durch die gemeinsamen Theaterbesuche erleichtert. Durch die Wahrnehmung und Rezeption von Theater werden kulturelle und ästhetische Bildungsprozesse angestoßen und gefördert.

In der Oberstufe kann dies durch die Teilnahme an einem W-Seminar zur Aufführungs- und Inszenierungsanalyse weiter vertieft und auf eine wissenschaftliche Basis gestellt werden, indem Bezüge zu theater- und literaturwissenschaflichen Arbeitsweisen hergestellt sowie künstlerische Prozesse wie bspw. Dramaturgie und Regie näher gebracht werden.
München bietet mit seinen großen Theaterhäusern und vielen kleinen Bühnen ausreichend Möglichkeiten mit externen Theaterpädagogen, Dramaturgen und Theaterfachleuten in Kontakt zu kommen und die Reflexion über Theater zu vertiefen. Weitere Kontakte bspw. an die LMU München sind darüber hinaus angestrebt.
Innerhalb der Schule motiviert das „Lehrertheater“ Schüler, Eltern und Kollegen Theater als festen Bestandteil des Schullebens und als gemeinschaftsstiftendes Erlebnis der Schulfamilie zu erleben.

Ästhetische Begleitung – „Theater machen“

Mehrere Gruppen und Kooperationen der Mittel- und Oberstufe unterstützen nachhaltig die ästhetische Bildung an der Schule. Die fächerübergreifende Zusammenarbeit zwischen Theater und Kunst / Musik zeigt sich durch die Kooperation mit dem Wahlprofilfach „Bühnengestaltung“ und dem P-Seminar „Film“. Ein Schüler - Technikteam wird in Licht- und Tontechnik ausgebildet und eine weitere Gruppe ist zuständig für Foto- oder Filmaufnahmen sowie Audio- und Videoschnitt (hier zeigen sich Möglichkeiten das Theaterprojekt und das Projekt „Referenzschule für Medienbildung“ sinnvoll miteinander zu verknüpfen).

 

Anhang: